
Was ist die Sharing Economy?
Die meisten von uns kennen wohl Sharing-Apps, über die wir bestimmte Güter mieten oder leihen können. Die App Panek verschafft uns minutengenau Zugang zu einem Auto, bei BlaBlaCar finden wir eine Mitfahrgelegenheit zum gewünschten Ziel, und über AirBnB buchen wir für einige Tage eine Wohnung oder ein Zimmer. Was eine Privatperson oder ein Unternehmen vorübergehend nicht nutzt und vermieten kann, wird zum Angebot, das beim jeweils anderen ein Bedürfnis befriedigt. So erwirtschaftet ein bestimmtes Gut Gewinn für den Vermieter, und der Mieter erhält eine erschwingliche und in der Regel günstigere Alternative. Wichtig: Wer die Sharing Economy nutzt, muss das Gut nicht kaufen. So lassen sich finanzielle Hürden umgehen, und man kann den Mietgegenstand zu einem Bruchteil der Kosten genau dann nutzen, wenn man ihn tatsächlich braucht.
Das Ganze lässt sich ein wenig mit der Szenerie vergleichen, als in der Volksrepublik Polen (PRL) eine Familie im Wohnblock ein Telefon besaß und die Nachbarn es gegen kleine Gefälligkeiten mitbenutzten. Damals war solches Teilen allerdings durch den Mangel an Gütern auf dem Markt bedingt – Autos, Fernseher und Radios sowie Haushaltselektronik galten als Luxus. Heute ist die Sharing Economy mit der Abkehr vom Konsumdenken und dem Wunsch verbunden, den CO₂-Fußabdruck zu verringern. Wir schätzen Nachbarn und Privatpersonen zunehmend und zahlen für die Miete lieber ihnen als Konzernen mit Millioneneinnahmen. Es ist auch ein Stück „Wirtschaft in der Praxis“. Warum sollte ein Gegenstand Staub ansammeln oder den Besitzer mit Kosten belasten, wenn andere einen Teil der Ausgaben tragen und sich zugleich darüber freuen können, dass ihr Bedürfnis erfüllt wurde?
Arten der Sharing Economy
Die eingangs erwähnte gemeinsame Nutzung eines Festnetztelefons in längst vergangenen Zeiten ist nur eine der Erscheinungsformen der Sharing Economy. Anhand aktueller Markttrends und Geschäftsmodelle lassen sich je nach geteiltem Gut mehrere Arten der Sharing Economy unterscheiden. Drei Grundgruppen dominieren:
- Accommodation Sharing (gemeinsame Nutzung von Unterkünften) – z. B. Airbnb, über das Übernachtungen bei privaten, verifizierten Gastgebern angeboten werden;
- Car Sharing (gemeinsame Nutzung von Autos) – z. B. Traficar, wo man ein Auto minuten- oder stundenweise mieten kann und nach Kilometern oder Mietdauer bezahlt;
- Goods Sharing (gemeinsame Nutzung beweglicher Güter) – z. B. Tier, in dessen Angebot sich Fahrräder oder E-Scooter zur minutenweisen Miete finden.
Besonders dynamisch wächst die letztgenannte Gruppe – Goods Sharing. Sie nimmt immer vielfältigere Formen an – vom Verleih von Gastronomiezubehör über die Überlassung von Baugeräten bis hin zum Teilen von Brettspielen. Zu diesem Modell gehören auch Unternehmen, die ihr Sortiment zur Miete anbieten, etwa Decathlon Rent – mit diesem Service lässt sich Sportausrüstung mieten, statt sie zu kaufen. Eine besondere Form der Sharing Economy ist die Vermietung von Dienstleistungen, also z. B. Bodyleasing, bei dem mehrere Firmen die Leistungen eines Mitarbeiters nutzen, der bei einem ganz anderen Unternehmen angestellt ist.
Sharing Economy in Polen
Dass die Sharing Economy in Polen präsent ist, dürfte kaum jemanden überraschen. In fast jeder größeren Stadt gibt es Anbieter, die Kleinbusse, Autos oder Roller teilen. Die bereits erwähnte App Airbnb deckt ganz Polen ab, sodass man Unterkünfte sowohl in Warschau und der Dreistadt als auch in Murzasichle, Łagów oder Kudowa-Zdrój findet. Mit BlaBlaCar kommt ein Student aus Dzierżoniów nach Breslau, und Touristen aus Włocławek erreichen Rom und legen unterwegs einen Stopp in Österreich ein. Es entstehen immer mehr Portale wie Useme, auf denen Freelancer ihre Leistungen anbieten und Angestellte oder Firmeninhaber im Rahmen von Bodyleasing tätig werden. Wie sich der Markt der Sharing Economy entwickelt, wird wiederum von Prüfungs- und Beratungsgesellschaften untersucht.
In den Berichten von PwC war bereits 2016 die Aussage zu lesen, dass die Sharing Economy die Zukunft ist – nicht nur für Polen, sondern für die ganze Welt. Schätzungen zufolge weiß statistisch zwei von drei Polen, was die Sharing Economy ist, und kann Beispiele für Unternehmen nennen, die auf diesem Modell basieren. Zugleich hat etwa 42 % der Befragten einen solchen Service mindestens einmal genutzt, und jeder dritte Pole nutzt die Sharing Economy regelmäßig. Zum Vergleich: Im erwähnten Jahr 2016 war der Begriff 40 % der Befragten bekannt, und jeder vierte gab an, solche Lösungen zu nutzen. Das zeigt, dass die Beliebtheit dieses Modells von Jahr zu Jahr stetig wächst. Alles deutet darauf hin, dass dies aus wirtschaftlichen Gründen und aufgrund gesellschaftlicher Trends so bleiben wird.
Ein Geschäft auf Basis von App und Website
Das Ausmaß des Erfolgs der größten Sharing-Economy-App – Airbnb – ist wirklich beeindruckend. Der Wert der Vermögenswerte belief sich Ende 2022 auf 16 Milliarden US-Dollar, und der Nettogewinn des vergangenen Jahres überstieg 1,5 Milliarden US-Dollar. Dabei fing alles 2008 mit einer Website an, auf der die drei Gründer einen „Bed & Breakfast“-Service anboten – in Form einer freien Luftmatratze und eines gemeinsamen Frühstücks. Der Vorteil ihres Geschäfts: Die Bedingungen waren für Couchsurfer (Personen, die in Privathäusern statt in Motels und Hotels übernachten) akzeptabel, und der Preis war deutlich wettbewerbsfähiger als bei professionellen Anbietern. Das so gesammelte Kapital nutzten die Gründer von „Air Bed & Breakfast“ für Marketing, den Ausbau der Website und – später – die Entwicklung einer mobilen App.
Und tatsächlich: Wenn Sie ein zeitweise ungenutztes Gut zur Verfügung haben oder Personen kennen, die über solche Güter verfügen, können Sie Ihr eigenes Sharing starten. Dafür brauchen Sie eine funktionale Website und eine App, über die Ihre Kunden ihren Sharing-Bedarf melden können. Sie benötigen kein riesiges Budget, um ein vollwertiges Geschäft aufzubauen – einige Tausend PLN für die Entwicklung der IT-Plattform und Werbung für Ihre App oder Website in den sozialen Medien genügen. In den ersten Monaten wird Ihr Konzept eher als passives Einkommen gelten, doch mit der Zeit kann es so ertragreich werden, dass Sie Ihre Festanstellung aufgeben und allein von Ihrem Sharing oder ausschließlich von Servicegebühren leben.
Sharing Economy mit 4B Systems
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